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Villa Rosenthal
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07745 Jena

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(Mo, Fr, Sa und Feiertage geschlossen)
An Veranstaltungstagen können die Öffnungszeiten variieren.

Zur selben Zeit am selben Ort

Die Theaterperfomance am 28., 29. und 30. November 2025 in der Villa Rosenthal.

Ein Rückblick von Dr. Dietmar Ebert

Jena. Wir haben uns im Foyer der Villa Rosenthal versammelt, die der jüdische Rechtswissenschaftler und spätere „Vater“ der ersten demokratischen Verfassung Thüringens, Eduard Rosenthal, und seine Frau Clara, in den Jahren 1890/91 erbauen ließen. Hier nahm sich Clara Rosenthal am 11. November 1941 mit einer Überdosis Veronal das Leben. Am selben Ort erzählen uns nun drei junge Frauen von früh in die NSDAP eingetretenen Frauen, teilen uns in drei Gruppen ein, und jede der Gruppen, die unterschiedliche Wege durch das Haus nimmt, erlebt Befremdliches.

Wir befinden uns mitten in einer Theaterperformance. Initiatorin des Projektes ist die namhafte Schauspielerin Kerstin Schweers. Sie hat gemeinsam mit der freien Theatergruppe AktEins, den Darsteller:innen Sophia Teichert, Isabell Pawlik, Anna Klisch, Josefine Giesen, Elwen Jörnis, Lioba Heck, Bastian Hoßfeld und dem Dramaturgen Daniele Szeredy vom Theaterhaus Jena die anspruchsvolle Performance „Zur selben Zeit am selben Ort“ erarbeitet, die am 28.,29. und 30. November in der Villa Rosenthal zu erleben war.

Das Projekt basiert auf einer Materialsammlung des amerikanischen Soziologen Theodore Abel, der 1933 Deutschland besuchte, um zu erfahren, warum die NSDAP in ihren Anfangsjahren so starken Zulauf hatte. Er verfiel auf den Trick eines „Preisausschreibens“ und erhielt über 500 Zuschriften. Auch 48 Frauen hatten geantwortet. Aus diesem Material hat Kerstin Schweers sieben besonders aussagekräftige Biogramme ausgewählt. Sie wurden von vier Darstellerinnen prägnant vorgetragen. Wir begegnen ihnen im Keller des Hauses, auf einem Treppenabsatz, im Herrenzimmer und im Salon des Hauses. Die drei jungen Frauen, die uns führen, erzählen uns deren Biografien und erteilen den mit wenigen Accessoires ausgestatten Protagonistinnen das Wort. Ihre Texte offenbaren eine tiefe nationalsozialistische Überzeugung, einen unerschütterlichen Glauben an den „Führer“, sogar eine Heilserwartung. Sie sind bar jeder Sensibilität für kommendes fremdes und eigenes Unheil.

Im ersten Obergeschoss werden wir mit den Erinnerungen dreier Frauen konfrontiert. Das sind Emmy Göring, Eichmanns Sekretärin Ingeborg Werdemann und Irmgard Furchner, Sekretärin im KZ Stutthoff. Tenor ihrer Aussagen nach 1945 ist: Sie haben von den Verbrechen des NS-Regimes und vom Holocaust nichts gewusst.

Am Ende der Performance kehren wir zurück in den Salon, dorthin wo unsere Führung begann. Noch immer sitzt Clara Rosenthal, verkörpert von Kerstin Schweers, hinter einer Glasscheibe an ihrem Schreibtisch. Sie ist eine gealterte, immer noch schöne, elegante Frau aus der „Welt von gestern“. Sie schreibt Briefe, Karten und Erinnerungsfragmente, klebt sie an die Glasscheibe oder wirft sie zu Boden. Sie scheint von allem, was sich in ihrem Haus zuträgt, nichts zu bemerken und lebt in ihrer eigenen Welt.

Am Ende wenden sich alle Gäste ihr zu, und das gesamte Ensemble spricht wie ein antiker Chor markante Sätze aus Lion Feuchtwangers „Geschwister Oppermann“, die 1933 geschrieben, den Holocaust vorausahnen.

Am Ende dankten alle Kerstin Schweers und dem ganzen Ensemble für die gelungene nachdenklich stimmende und erschütternde Performance.

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